Wenn im 20. Jahrhundert der Paranoiker die literarische Figur gewesen ist, kann es im 21.Jahrhundert nur der Stoiker sein


21.JH

Nach dem Jahreswechsel, so stellt es sich in den letzten drei Jahren zumindest bei mir ein, gibt es wenig zu tun. Ich finde die Zeit ein wenig über den Dreh der Dinge nachzudenken. (Keine Angst, auf der Suche nach der (ogottogott) Wahrheit habe ich mich bisher noch nie befunden. Es handelt sich eher um zufällige Aufhellungen relativer Zusammenhänge.) Ein Lachen ist nicht ganz billig zu haben dieser Tage. Das Vertrauen ist weitgehend flöten gegangen. Und man muss aufpassen, wenn man vor die Tür geht und sich unter Fremde mischt, dass sie einem nicht gleich die Organe und sämtliches Geld nehmen. An diesem Punkt angelangt, lohnt es sich, aufzupassen. Bevor sich ewige Dunkelheit über mich legt, und ich mich physisch wie psychisch in der richtigen Verfassung befinde, gönne ich mir zu Beginn des Jahres gerne das Vergnügen Shows, Talks und Podcasts vom Chaos Communication Congress zu konsumieren. Traditioneller Weise wird der zwischen Weihnachten und Silvester abgehalten. Spätestens nach fünf Stunden verschwimmen dann die dusseligen Feiertagsgefühle gepaart mit dem Nachrauschen unterschiedlicher Silvestersubstanzen in meinem Inneren, und Hochmut, Wut und Paranoia machen sich über meinem kleinen Schreibtisch breit. Ein Idealzustand, um in die Tasten zu hauen oder das Notizbuch zu zücken und ein paar Plots inklusive technischer Details zur Verbreitung von Angst und Schrecken festzuhalten. Es geht schließlich darum Instinkte zu schärfen. Vom 31C3 kann ich bisher den Vortrag Mit Kunst die Gesellschaft hacken empfehlen. Darin wird eine Methode vorgestellt, wie wir am besten mit den Profiteuren der Generation Greed umgehen können; darüber hinaus empfehle ich Ich sehe, also bin ich…Du, womit die biometrische Volkserfassung endgültig vom Tisch sein sollte. Meine Befürchtungen, was als nächstes von Seiten des Leviathans aufgezogen wird, sind Pflicht-Blutbild-GIFs als De-Mail Signatur … Internet of toilets lohnt sich, weil wir den Mist, der das Internet of things mit sich bringt, stärker in seinen gesellschaftlichen Auswirkungen unter die Lupe nehmen sollten als bisher. Die Entfremdung der eigenen Meinungsbildung ist ein gutes Stichwort innerhalb dieses Rahmens. Und wer so alles bei der morgendlichen Onlinelektüre mitliest, hat der Vortrag Trackography veranschaulicht. Bislang am meisten gefreut hat mich der Talk Traue keinem Scan, den du nicht selbst gefälscht hast, weil mir diese Geschichte ins Gedächtnis gerufen hat, dass eine gute Idee für einen Krimiplot im Nahen liegt. Wie häufig mussten wir in Spionagethrillern oder sonstigen Spannungsgenres zusehen, wie unsere Heldin oder unser Held am Ende die eine CD/DVD, oder den einen USB-Stick, oder die eine Festplatte aus irgendeinem Moloch retten und in irgendein System überführen muss…und danach ist alles prima, die wichtigen Daten (hoho) sind unter Dach und Fach. Die bestehende Ordnung ist wieder hergestellt.
Wenn man heute als Hausmeister in einem mittelgroßen bis großen Unternehmen angestellt ist, zählt in der Regel auch in den Aufgabenbereich doch mal eben die Kopiererfirma anzurufen, weil wieder mal eines der Geräte nicht läuft. Und wenn man dann so mit dem Techniker der Servicefirma beim Kaffee ins Gespräch gerät, erzählt der einem frei von der Leber weg, dass alle Kopien, die auf dem Kopierer gemacht wurden, intern digital gespeichert werden. Und das solange, bis das Gerät vom Hersteller wieder abgeholt und von einem neuen Gerät ersetzt wird. Der Hersteller kann sich dann (wenn der Kram nicht schon vorher durch ein paar Netze nach hause gesendet wurde) alle Scans von dem Kopierer herunterladen. Nachdem ich zwischen 2004 und 2008 in einem großen Verlagshaus unter anderem als Hausmeister tätig war, denke ich schon länger über einen Plot mit Kopierer nach. Aber wie üblich bin ich zu faul die Idee knackig aufzuschreiben. Mal sehen, was 2015 des Weges kommt. Vielleicht wird es was mit dem Kopierkrimi. Das Jahr ist noch jung, und bisher habe ich höchstens ein Viertel des Congressprogramms gesichtet. Könnte sein, dass sich mein Notizbuch mit einer oder mehreren komplementären Komponenten füllt und die Story steht…hihi…contraria sunt complementa…Eins noch, hier ein Vorschlag in Sachen autonomer Verkehr…

AutonomerVerkehr 2

 

 

 

 

 

 

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P.S. Ein gutes Drittel der Vorträge dürfte ich jetzt geschafft haben (31C3). Einige waren belanglos, andere verstehe ich nicht, aber zwei will ich noch empfehlen. Zum einen IFG – Mit freundlichen Grüßen (Frag den Staat wechselt das Metier und macht jetzt in Sprechgesang), und zum anderen Die Krise der Bilder ist die Krise des Politischen (Ein zum Denken und Nachlesen anregender Talk über Macht und Medien, deren Missbrauch und das Halten des Abstands zum Wahn). Wird sich zeigen, was ich sonst noch entdecke…

Sehr aufschlussreich ist auch der Talk From Computation to Consciousness. Ein toll vorbereiteter und gut gehaltener Vortrag in Sachen KI/AI.

to be continued…

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The Parasitic Ward
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